Wurstware | Musik & EinGEMAchtes

Techno - Ich brauch den ab und zu, und dann Oldschool.
Denn, es könnte ja alles so einfach sein, aber warum muss denn immer alles so anstrengend sein?

Zum Start in die Grillsaison ein paar Gedanken zur Musik Vergütung ...
Hab ich mal erwähnt, dass ich eine pauschale Kulturabgabe für durchaus sinnvoll halten würde?

Der Staat möchte die Einnahmen seiner Bürger einsehen und ein Teil davon als Steuern einbehalten. So wird jede Vergütung, zum Teil der Gesellschaft zurückgeführt. Soweit so gut und vernünftig. Wer würde schon Straßen so bauen, dass sein Nachbar sie auch benutzen kann, wenn es einen kürzeren Weg zur nächsten Autobahn gäbe. Und wer baut Autobahnen? Nur eines von unzähligen Beispielen die in einer Gemeinschaft, einem Staat, geregelt werden. Doch speziell bei der Musik erschöpft sich mein Verständnis der "gemeinschaftlichen Umverteilung", wie sie in Deutschland durch die GEMA praktiziert wird.

Die GEMA ist ein Werkzeug, dass ich nicht anfassen mag. Die Gesellschaft ist ausgestattet mit mit einer staatlicher Monopolmacht und es findet keinerlei Kontrolle bezüglich ihrer Verteilungsgerechtigkeit statt. Der gesamte Aufbau ist derart undurchsichtig, dass einem Künstler schon nach wenigen Stunden Recherche die Lust am musizieren vergeht, oder er sich geschlagen gibt und einen Musikverlag aufsucht der sich um den weiteren Verlauf, in der Zusammenarbeit mit der GEMA, kümmert.

Jedes GEMA Mitglied ist bindend verpflichtet, alle Werke unaufgefordert anzumelden.
Kein Mitglied der GEMA darf kostenlos Musik in das Internet stellen, ohne selbst mit der GEMA abzurechnen.
Und darüber hinaus findet sich auf der GEMA Webseite folgender Hinweis: Nicht GEMA Lizenzierte Musik ist meldepflichtig. Womit der fälschliche Eindruck entsteht, auch nicht Mitglieder müssten sich bei der GEMA melden. Da kommt Freude auf an der Musik. Richtig ist, nur GEMA Mitglieder müssen auch "nicht lizensierte Titel" melden.

Das Deutsche Patentamt ist die zuständige Kontrollbehörde der GEMA. Es vertritt die Auffassung, dass es Aufgabe der Verwertungsgesellschaften selbst sei, Kriterien für die angemessene Verteilung der Vergütung zu finden. Genau an diesem Punkt geht einem Freidenker und Gerechtigkeitsfanatiker spätestens die Hutschnur hoch.

Die GEMA selbst hält es seit Jahrzehnten für Gerecht, dass wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Und nicht nur zuerst. Auch zuletzt und vor allem soviel er nur kann. Die meisten der fast 60.000 Mitglieder der GEMA, zahlen mehr an Gebühren, als sie selbst durch Musikproduktionen erwirtschaften können. Kaum eine Band, oder ein Veranstalter kann auf Merchandising und Getränkeverkauf Einnahmen verzichten. Von der Musik lebt ein nur sehr geringer Teil.
Dabei verteilt die GEMA eine große Scheibe des Kuchens, ihrer Einnahmen, auf sehr wenige Künstler oder
Ausschüttungsberechtigte. Tatsache ist das es eine Hand voll Schlagerkomponisten und einige Musiker in der klassischen Sparte gibt, die von der GEMA profitieren. Alle anderen Arbeiten quasi für die Gewinne der wenigen Hitparaden Produzenten und Klassik Komponisten, sowie - und das wird der Löwenanteil sein, für die 3 größten Musikverlage.

Selbst der Verband unabhängiger Tonträgerunternehmen (VUT) kritisierte unlängst die GEMA. Der VUT beklagte eine dramatische Unausgewogenheit in der Verteilung und stellte öffentlich die Frage: "ob eine Mitgliedschaft in der GEMA noch Sinn macht".

Weiterhin profitieren alle großen Musikverlage an den Einnahmen der GEMA. Dieses Modell gibt es in anderen Ländern nicht. Vielleicht ist dies auch mit ein Grund, warum "ausländische Acts" erfolgreicher sind?

Das System GEMA überlebt sich selbst, dank einer Klausel die den Erben der Komponisten, über dessen Tod hinaus, Tantiemen bescheren. Damit ist dann auch klar, nicht nur der Künstler der sich einmal dort "eingekauft" hat, wird an diesem System festhalten, auch die Kinder und Enkel. 70 Jahre sollen die Tantiemen nach dem Tod eines Künstlers weiter ausgezahlt werden. Wer dieses beispiellose Abzocken mal auf das Renten oder Pensions-system anwendet, wird sich wundern.

Doch statt hier mal Vernunft aufkommen zu lassen, geht die GEMA noch einen Schritt weiter.
Jede noch so tote Musik soll, nach der Vorstellung und Vision der GEMA, Gebühren einspielen und an die Schlageraffen und Verlagsgeier weitergegeben werden.
Kunstsklaven beuten für die GEMA die Menschheit aus?

Mehr dazu hier, die Quelle aus der ich viele Schöpfen konnte:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/7/7586/1.html

Dies alles kann aber keine Ausrede sein, für Musik nicht zu bezahlen. Mehr noch. Wer wissentlich, kommerzielle Musik, aus nicht autorisierten Quellen, kostenlos bezieht und dem Künstler somit nicht mehr die Wurst zum Brot gönnt ist ein Schwein. Das muss ich mal in aller Klarheit so sagen. Ja, ich war auch so ein Schwein. Ich habe zwar selbst musiziert aber auch gedankenlos Musik von Freunden kopiert. Darüber hinaus hab ich auch so manches Würstchen vom Schwein gegrillt.

Natürlich ist die Vervielfältigung in geringem Umfang, durch den Käufer in vielen Fällen noch akzeptabel. Wenn es sich dabei nicht grad um Verbrauchsgüter handelt. Also, wenn ich zu Hause die leckeren Bratwürste vom Schlachter einfach kopieren könnte, müsste ich dort nicht mehr einkaufen. Da man sie aber nur einmal Essen kann, lade ich häufig Freunde ein, um an dieser Freude teilzuhaben. So saßen wir oft vor dem Grill, hörten gemeinsam eine gute Schallplatte oder CD. Das Schwein musst dran glauben.

Musik, Filme oder Bücher, die erstellt worden sind, weil Menschen damit ihren Lebensunterhalt bestreiten wollen, zu kopieren und weiter zu geben, nur weil es technisch möglich ist, halte ich in denkbaren, vereinzelten Fällen noch für moralisch vertretbar. Es ändert aber nichts an der Tatsache das es Betrug ist.
Den Wirrwarr um Lizenz und Nutzungsrechte, Superstars mit Millionen auf dem Konto und Musikverlagen die den Zeitgeist verpennen, mal ganz außen vorgelassen, versuche ich die Ursache des Problems anhand meiner eigenen musikalischen Ergüsse und Erfahrungen genauer zu betrachten:

Ich mache Musik. Ich erstelle Fotos. Ich schreibe Texte.
Es bezahlt niemand.
Ausser mir, respektive meine Frau, denn die Webseite kostet Geld, Musik-Soft und Harware, Instrumente und die Zeit ...

Nun bist "du" auf meiner Webseite.

Wenn ich nun ein Musikstück für dich komponiere, auf deinen Auftrag hin, und du bezahlst meine Arbeit.
Dann gehört das Stück dir. Du kopierst es nun so oft du willst und verkaufst es zu dem Preis den du verlangst.
Ist das Fair? Ja, vielleicht. - Kommt auf den abgeschlossenen Vertrag an. Vielleicht hast du mir ein großes Honorar gezahlt.

Nun komponiere ich Musik, kopiere sie so oft ich will und verkaufe sie zu dem Preis den ich verlange.
Du kaufst dieses Stück einmal von mir persönlich, kopierst es dann so oft du willst, ohne Geld dafür zu nehmen.
Ist das Fair? Ja, vielleicht. - Kommt auf den abgeschlossenen Vertrag an. Vielleicht hast du einmal sehr viel Geld dafür gezahlt.

Nun verkaufe ich ein Musikstück, als mp3 bei Amzon, für 99Cent. Ich habe wochenlang komponiert. Teure Computer Hardware, Musikinstrumente und Software gekauft um dieses Stück zu produzieren.
Du kaufst dieses Stück bei Amazon, für 99Cent, lädst es bei YouTube hoch und Millionen Menschen hören es kostenlos. Ich bekomme keinen einzigen Cent mehr als 99Cent, abzüglich dessen was Amazon davon haben will.
Ist das Fair? - [Ihre Antwort bitte]

Das war ein persönliches Beispiel, wenn auch hypothetisch, weil es noch kein Musikstück von mir bei Amazon zu kaufen gibt. ;-) Dazu müsste man einem Musik Verlag angehören.

Wenn jemand in einem anderen Land, voller Krieg und Armut, Hungersnöten und Leiden, ohne Schulbildung, ohne Wurst auf dem Brot irgendwo in der Welt, mein Lied kopiert, dann soll er das tun. Wenn es ihn für den Moment glücklich macht, freue ich mich. Ich kann und will in fernen Ländern auch gar keinen Einfluss nehmen. Global denken bedeutet nicht zwangsläufig dass ich auch gleich die Welt beherrschen muss. Meine Meinung.

Aber wenn mir hier jemand Grillwürste verkauft, die ich nur einmal Essen kann, aber dennoch bezahlen muss, dann möchte ich von demjenigen auch Geld für meine Musik, wenigstens einmal. Auch wenn er den Titel hundert oder tausend Male hört. Das fände ich Fair. Gegebenenfalls mit Geld zurück Garantie, wem davon schlecht geworden ist, sollte nicht dafür bezahlen müssen.

Das Problem, das ich glaube zu erkennen, sind Menschen, die kein Unrechtsbewusstsein mehr haben.
Das sie kein Unrechtsbewusstsein im Bezug auf Musik Kopien haben, liegt an der fehlenden Wertschätzung.
Sowohl Konsumenten als auch Musikverlage tragen hierbei selbst die Verantwortung für das Dilemma. Würstchen Verkäufer die Ekelfleisch rosig verpacken, als auch jene die glauben, dass 40 Cent für eine Bratwurst immer noch zu teuer ist.

Es gibt dumme Menschen die Dumpingpreise forcieren.
Dumpingpreise führen zu Dumpinglöhne.
Wer Dumpinglöhne bezahlt, bekommt Dumpingarbeit.
Wer Dumpinglöhne bekommt, kann nur noch Dumpingpreise bezahlen.

Abhilfe könnte der Replikator, wie es ihn auf der Enterprise gibt, schaffen.
Das Gemeine ist nur folgendes:
Künstler können ihre Kunst herstellen, und "nicht Künstler" können Kunst kopieren.
Wurstwarenerzeuger könnnen Würste herstellen, aber Künstler können Sie nicht kopieren.

Also wer mir die Wurst aufs Brot gönnt, der ärgert sich nicht, dass Künstler Menschen dafür bezahlen, dass sie bei YouTube nach Nutzungsrechtsverletzungen oder Urheberrechtsverletzungen schauen. Auch die GEMA selbst ist nur ein Teil des Puzzles. Wenn die GEMA keine Mitglieder und die Mitglieder keine Abnehmer für ihr Gammelfleisch hätten, gäb es nur noch leckere Wurst.
Wer Künstler und Kunst respektiert, weil ihm Kunst, Musik, Film und Buch etwas Freude bereitet, sollte die Spirale der "Umsonst und Billig Kultur" durchbrechen und sie zu einer guten Bratwurst einladen. Oder halt den entsprechenden Preis direkt an den Künstler bezahlen. Dank des Internets wäre dies theoretisch möglich.

Und um das klar zu stellen, ich bevorzuge Wurst direkt vom Schlachter.

Man stelle sich vor, Schlachter gäben ihre Wurst an einen Zwischenhändler. Der würde diese an einen Wurstverlag geben um sie dann an den Endkunden zu bringen. Dabei muss neben der Steuer, die dem Allgemeinwohl dient, eine Wurstgebühr für EinGEMAchtes abgeführt werden. Diese Wurstgebühr wird dann, abzüglich des Anteils für die Oberverwaltungswürstchen, umverteilt auf alles Schlachtvieh, mit einem Verteilungsschlüssel so dass die dickste Sau im Land den größten Anteil bekommt.

Das war mein Beitrag zum Start in die Grillsaison.

Mit unGEMAchen Grüßen,
yt


Der Künstler / Komponist / Musiker, Kamiza ist nicht Mitglied der GEMA.
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Die Kernaussage der Lizens: Die Musik darf frei kopiert werden, jedoch nicht gegen Geld. Jede kommerzielle Nutzung bedarf der Zustimmung des Autors / Komponisten (kamiza / yt).
  • Artist: Kamiza
  • Titel: Wurstware
  • Genre: Techno
  • Jahr: 2010
  • Length: 0:08:55 minutes (12.24 MB)
  • Format: MP3 Stereo 44kHz 192Kbps (CBR)
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