Ein kleiner gedanklicher Ausflug in die nahe Zukunft der medialen Unterhaltung.
Mit Anregungen, Hinweise und Überlegungen der Vor- und Nachteile.
[update2]Es häufen sich Anfragen mit dem Thema "Ich sehe kein 3D".
1.) Sie brauchen 2 (möglichst gesunde) Augen. Es ist leider so.
2.) Wenn ihre Brille getönt ist, kann dies die Ursache sein.
3.) Prüfen Sie die Batterien in der Shutterbrille des TV Geräts.
4.) Stellen Sie sicher das die Brille "eingeschaltet" ist. (ein kleiner Knopf am Bügel)
[/update]
[Update]
Vor wenigen Tagen, in der Technik Abteilung eines großen Kaufhauses, stand meine Frau mit mir vor zwei verschiedenen 3D Flachbildschirmen. Der eine von Sony, der andere von Samsung - luden zum Testen und Vergleich ein.
Zum Glück haben wir beide noch eine sehr gute Sehstärke auf beiden Augen und so konnten wir gemeinsam noch einmal überlegen, wie diese 3D Technik wirkt, was sie beim Betrachter auslöst. Meine Frau kam auf die gleiche Idee. Es stört gewaltig, das der Bildschirm plötzlich zu ende ist und Objekte im Raum abgeschnitten werden.
Eine Kundin mit Brille blieb neugierig stehen. Sie war vielleicht ein klein wenig älter, ich schätze obere Mitte 40. Kaum hatte sie die 3D Brille auf, schwand die Begeisterung und Neugierde aus ihrem Gesicht.
"Worauf muss ich nun gucken?", fragte sie. Das sagte dann auch alles aus.
Wem der 3D Effekt nicht buchstäblich sofort ins Auge springt, dem ist so gut wie nicht zu helfen.
Ich fragte sie, ob sie auf einem Auge eine Sehschwäche hat, was sie nach kurzem Zögern so nicht dementieren wollte. Sicher war sie etwas irritiert, denn das ist eine durchaus persönliche Frage. Als ich in knappen Worte das Problem schilderte, bekräftigte Sie mit ihren Worten meine Vermutung einer Sehschwäche, rückte sich ihre Sehhilfe, ihre eigene Brille, wieder gerade und eilte davon mit Worten wie: "Ach so'n schnickschnack brauch ich auch gar nicht."
Liebe Brillenträger, setzt eure eigene Brille nicht ab! Es gibt auch Shutterbrillen, die über die Sehhilfe gesteckt werden können. Ohne eure Sehhilfe, gibts kein Full HD - 3D, genauso wie man ohne "Brille" nicht klar sehen kann.[/update Ende]
Weiter im Text mit Gedanken zur Technik:
HD 3D Fernsehen deluxe!
Bei einem gemütlichen Einkaufsbummel konnte ich mir Heute selbst ein Bild machen von dem hochauflösendem TV Flagschiff von Samsung. Eine BlueRay Disc zauberte eine 3D Vorführung auf die Augen die durchaus sehenswert ist. 3200 Euro kostet ein Büroschreibtisch großer Flachbildschirm. Teurer Luxus,...
Brille oder nicht Brille?
3D Fernseher oder Projektoren mit polarisiertem Licht, senden für jedes Auge ein separates Bild aus.
In der Regel benötigt der Zuschauer eine aktive Shutterbrille für Fernseher ohne Polarisation oder eine passive Brille für Projektoren mit Polarisation. Dies ist ungewohnt, aber unvermeidbar, um dem rechten Auge das rechte Bild und dem linken Auge das linke Bild zu zuordnen. Es gibt auch schon Hersteller die komplett ohne Brille 3D Bilder auf die Mattscheibe zaubern, doch die derzeit noch übliche Technik bedient sich der "Shutter Brille".
Damit fangen die Probleme auch schon an.
Die Energiesparlampe macht den 3D Spaß kaputt
Die Glühbirne gibt es bald nicht mehr, die Energiesparlampe erhält den Einzug in das europäische Wohnzimmer. Mit der aktiven Shutterbrille nimmt man nun ein sehr unangenehmes Flimmern war. Vor allem im Augenwinkel kann so eine Energiesparlampe oder Neonröhre einem den Spaß verderben und nach kurzer Zeit dürfte dann auch jedem davon übel werden, Kopfschmerzen und auch ein Nervenzusammenbruch sowie Epilepsie nicht ausgeschlossen.
Abhilfe schaffen hier teure Energiesparlampen mit über 100 Herz Frequenz. Oder man setzt gleich auf LED Technik zur Wohnzimmer Beleuchtung. *Auch LEDs können Flimmer, wegen der Vorschaltelektronik.
[Update] Bei einem 3D Fernseher von Sony war das Flimmern wesentlich geringer als bei einem Samsung. Dies liegt vermutlich an der Frequenz der Shutterbrille und des Fernsehers. Je höher die Frequenz, desto geringer wird man Störungen wahrnehmen.
3D != Barrierefrei
Ein weiterer Punkt ist die Sehstärke beider Augen. Wer eine angeborene Sehschwäche eines Auges hat sollte sich vor dem Kauf doch noch einmal Vorführungen dieser Technik anschauen. In der Realität kompensieren Menschen mit einer Sehschwäche auf einem Auge, diese Schwäche meisten durch Bewegung. Durch Erfahrungswerte ihrer eigenen Bewegung können sie die angeborene Sehschwäche ausgleichen (kompensieren). Dies wird bei einem 3D Fernseher nicht so ohne weiteres möglich sein, denn das gesunde Auge bekommt das Bild des "schwachen Auges" nie zu sehen, egal wie man den Kopf nun dreht oder wendet.
Ein Auge allein kann kein räumliches Sehen ermöglichen. Erst durch die Stereoskopie, das Betrachten eines Objektes aus zwei verschiedenen Blickwinkeln, entsteht im Gehirn eine räumliche Wahrnehmung.
[Update] Wichtig: Die 3D Brille muss über der normalen Brille getragen werden. Tritt dann immer noch kein 3D Effekt ein, müssen Sie sich damit abfinden, 3.200 Euro für einen neuen Fernseher gespart zu haben.
Details fürs Auge
Die Auflösung der HD Fernseher ist fantastisch. Kleinste Details kann man im 3D Raum, gestochen scharf erkennen. Samsungs teures Flagschiff ist dabei auch nicht sonderlich pingelig, was den Blickwinkel anbelangt.
Die Pornobranche wird nun Schamhaare in nie zuvor gesehener Qualität zeigen können, und keiner ist mehr zu dünn.
Kamera Regie muss neu erlernt werden
Ein weiteres Problem sind die Sehgewohnheiten von bspw. Actionfilmen. Regisseure werden hier eine Menge lernen müssen. Es gilt neue Regeln zu finden, sonst wird das sehen zur Qual. Objekte die auf den Betrachter zu an der Kamera vorbei fliegen, werden irgendwann am Bildrand abgeschnitten. Hier entstehen unschöne Kontrastkanten, bei denen es fast schon schmerzt. Motionblur, also eine Bewegungsunschärfe wird zur einer neuen Herausforderung, denn sie muss auch in 3D berechnet werden, bzw ordentlich gefilmt.
Für die Kamera Regie wird sich also sehr viel ändern müssen, aber es wird auch neue Besonderheiten und Möglichkeiten geben, die speziellen Begebenheiten in Drehbüchern visuell darzustellen.
Auch die Unschärfe ist eine Herausforderung, sonst wirkt das Bild überladen und beinhaltet zu viel Information. Zuschauer die das erste mal 3D Filmes sehen werden sicher bald ermüden.
Eltern haften für ihre Kinder
Eltern bekommen eine weitere Herausforderung mit dem 3D Fernsehen. Sie müssen darauf achten, dass sich bei ihrem Kind keine "falschen" Sehgewohnheiten bilden. Anders als beim "realen Sehen" ist das "virtuelle 3D Sehen" bei gleich bleibender Fokussierung der Augen möglich. Auch Jugendliche und Erwachsene die das "virtuelle 3D sehen" erlernen könnten theoretisch in einen irrtümlich "virtuellen Sehmodus" verfallen. Dazu eine nähere Ausführung:
Sehen 2D - Denken 3D
Das Menschliche Auge kann nicht Dreidimensional sehen. Diese Aufgabe übernimmt das Gehirn. Es vergleicht beide Bilder die wir mit zwei Augen sehen können und die Unterschiede in den beiden Bildern des Augenpaares liefern die Tiefen-Information. Wir gewöhnen uns daran entfernte Objekte zu fokussieren. Dabei werden die Augenmuskeln entspannt und wir gucken in die Ferne. Nahe gelegene Objekte müssen durch "Schielen" fokussiert werden. Hier werden die Muskeln angespannt und auch unsere "Linse" wird gekrümmt. Aus diesem Grunde ist es auch wichtig, zB bei langer Bildschirmarbeit am Computer, die Augen zu entspannen und ganz real "Fern zu sehen", also in die Weite.
Im Verlauf der Jahre sammelt unser Gehirn auch sehr viel Informationen, die wir als Erfahrung abrufen können. So schaffen wir es mit ein klein wenig Übung, einen Gegenstand zu greifen, während wir ein Auge geschlossen halten. Kennen wir die Größe eines Gegenstandes nicht, greifen wir in das Leere oder stoßen verfrüht mit der Hand gegen das Objekt. Ohne Erfahrung können wir nicht räumlich sehen.
Der "andere" Tunnelblick
Beim Autofahren auf der Autobahn entspannen viele Fahrer. Dabei ist nicht gemeint dass sie ermüden. In Baumalleen oder bei immer gleich bleibenden Markierungen am Strassenrand und einem entspannten Blick in die Ferne, kann es zu einem, im Volksmund so genannten (nicht med. / nicht pathologischen), "Tunnelblick" kommen. Das Gehirn interpretiert die Position von Gegenständen und Bewegung in diesem Moment verkehrt und die Folgen davon sind meist verheerend.
Beim Tunnelblick kehrt sich Bewegung und Umgebung um. Die Landschaft kommt auf den Betrachter zu, während man selbst sich dem Gefühl hingibt ein Fixpunkt zu sein.
Bei einer Kurve kommt es dann zum tödlichen Trugschluss. Das Gefühlte und die Interpretation des Sehens stimmen nicht mehr überein.
3D bis zum Umfallen
Genau das passiert in einem 360 Grad Kino. Viele von uns dürften diese Jahrmarkt Attraktion noch kennen.
In einer riesigen Halbkugel wird ein Film projiziert, bei dem der Betrachter Achterbahn fährt.
In dem Moment wo der Zuschauer sich entspannt und den Tunnelblick bekommt, stimmt das Sehen und das Fühlen nicht überein. Im schlimmsten Fall reagiert das Gehirn mit einem Ausgleichsversuch im Gleichgewichtssinn, man fällt. Einigen wird dabei auch speiübel.
Dieses Phänomen wird den ein oder anderen beim 3D Fernsehen begegnen können. Speziell bei so genannten "Head-mounted display".
Kinder jedoch sind noch in der Lernphase. Wie sich dies auswirken kann und wird, vermag niemand genau zu sagen. Ich habe zumindest noch von keiner Langzeitstudie gelesen.
Es ist jedoch vorstellbar dass wir zwischen "realem Sehen" und "virtuellem Sehen" nicht immer richtig umschalten werden. Für Kinder oder Autofahrer wäre dies ein Desaster.
Damit wir uns nicht falsch verstehen, ich bin kein Gegner des virtuellen 3D Sehens. Im Gegenteil, ich freue mich darauf, Pixars Filme in 3D zu sehen. Ich möchte nur gedankliche Anregungen geben und aus der Erfahrung des bewussten Sehens sprechen. Vom Fernsehen zum echten Sehen bekommt unser Gehirn sehr klare Abgrenzungen. Das 2D Fernsehen ist Flach, die Qualität war lange Zeit sogar "berauschend", jedoch eher im analogen, negativen Sinne.
Entspanntes 3D Sehen
Doch zurück zum Problem.
Beim "virtuellen 3D Sehen" sind unsere Augen stets (fast) "entspannt". Je nach Abstand zum Betrachter müssen wir nicht fokussieren. Den Augen und dem auch bald dem Kopf, wird die Aufgabe abgenommen, räumliches Sehen zu trainieren. Würde man ein Kind wochenlang, ausnahmslos 3D Fernsehen auf die Augen drücken, gäbe dies sicher die falschen Signale im Lernprozess. Jedoch ist hier die alte Faustformel sicher gültig, die Menge macht das Gift.
Nach dem Genuss in 3D sollte man sich auch sicher erst einmal eine kleine Pause gönnen, bevor man sich in den Autoverkehr stürzt. Zumindest bis unser Gehirn gelernt hat, diese Illusion als solche auch wieder ab zu schalten in allen Lebenslagen.
Ein kleines Beispiel einer "Seh-Erfahrung" extremer Art:
Mit 14 Jahren hatte ich einen ausrangierten Kleinbild-Fernseher. Dieser hatte einen kleinen defekt. Das Fernsehbild schwamm Wellenförmig so dass sich am Rand sichtbare Wellenmuster ergaben. Der Fernseher machte dies nicht immer. Vor allem aber fing es leicht an und steigerte sich, bis das Bild wirklich stark verzerrt war.
Eines Tages saß ich in der Schule und starrte auf die Schultafel. Für mich nicht unüblich folgte ich einem Tag-Traum, statt dem Lehrer zu zu hören und da geschah es. Die Tafel vor mir fing an, sich mit dem gleichen Wellenmuster zu bewegen, wie das Bild des Fernsehers. Mein Gehirn hatte auf Entspannung geschaltet und wollte es mir anscheinend bequem machen. Der Schock war so groß, dass ich auf einen eigenen Fernseher verzichtet und das Gerät auf den Sperrmüll gab.
Kein echtes 3D
Bei aller Liebe zur Spielerei, muss man jedoch sagen, 3D Bildschirme haben derzeit keinen realen Nutzen.
Denn was uns fehlt, ist die Freiheit mal bei einem Tatort um die Ecke zu schauen, die Perspektive zu wechseln oder die Frisur seines Stars von hinten an zu schauen, wie man es gerade möchte. Der Regisseur gibt vor was wir zu sehen bekommen. Rasante Fahrten, bei dem der Omi schlecht wird, können dann auch nicht aus gebremst werden. Was fehlt ist die Bewegungserkennung oder Holographie, die dreidimensionale Objekte in den Raum zaubert. Erst dann werden wir wissen, ob der glatzköpfige Mörder eine Tätowierung im Nacken trägt, bevor der Kommissar nach schaut.
Computer könnten Filme in der Machart von Pixar vielleicht in Echtzeit berechnen und das je nach dem wo wir uns mit unserem Kopf befinden. Wenn der Computer dann nur schnell genug ist. Bei Flugsimulatoren am Computer funktioniert der virtuelle Blick aus dem Cockpit schon sehr gut.
Fazit:
Die neue Technik schafft tendenziell mehr Probleme als Nutzen und wird somit nur eine weitere Spielerei bleiben.
Sehr viele Menschen haben ein schwaches Auge, oder eine Fehlstellung die ihnen das 3D Sehen auf dem Fernseher unmöglich macht. Da dass passive, terrestrische oder Kabel Fernsehen dem Zuschauer nicht die Wahl lässt zwischen 3D und 2D bleibt das 3D der BlueRay Disc vorbehalten. Wer sperrt schon gerne potentielle Werbeempfänger aus, weil er im falschen Format sendet?
Wer über ein intaktes Sehvermögen und genügend Geld verfügt wird seine helle Freude daran haben, seine Computer-animierten Filme plastisch zu erleben. Denn hier zeigt die Technik ihre eigentlich Stärke, bei kostengünstiger Produktion des Bildmaterials.
Mit visuellen Grüßen,
yours truly
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