Wintershall | Warum wurde Libyen befreit?

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Joined: 09/30/2007

Mir ist eine kleine Randnotiz in unserer Lokalzeitung aufgefallen, die sich natürlich auch in anderen Zeitungen und Online Nachrichten wieder findet.

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/wintershall-foerdert-w...

Zitat aus dem Anreißer des Handelsblatt Artikel:

Die BASF-Tochter Wintershall hat ihre Ölförderung in Libyen wieder aufgenommen. Das Kasseler Unternehmen hatte sie wegen der Aufstände heruntergefahren, jetzt funktioniert die Infrastruktur aber offenbar wieder.

Ich kann mich erinnern das etwa 1981 auf einer Mülltonne, vor unserer Haustür, in großen Buchstaben stand: »GADAFFI VERRECKE!« Die Motivation die hinter diesen Worten steckte kannte ich damals nicht.

Aus Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Muammar_al-Gaddafi

Gaddafi war der am längsten regierende Herrscher in Libyen und einer der am längsten herrschenden Machthaber außerhalb von Monarchien überhaupt,[5] sodass etwa 80 Prozent der heute lebenden Libyer unter seiner Herrschaft geboren wurden.[6] Gaddafi sicherte seinen Machterhalt auch durch ein rentenökonomisches, auf den Exporterlösen von Erdöl und -gas beruhendes Verteilungssystem nach innen ab.[7] 2008 wurde er von über 200 afrikanischen Königen und traditionellen Stammesherrschern als König der Könige von Afrika ausgerufen.[8]

Warum ich diese Zusammenhänge so bemerkenswert finde?

Weil es heute noch Menschen in meinem Bekanntenkreis gibt, die allen Ernstes glauben, dass die deutschen Regierungen in den letzten Jahren, aus rein humanitären Gründen den Kriegen in Libyen, Irak, Afghanistan zugestimmt hätten. Ich finde es bemerkenswert wie Menschen es ausblenden können, dass es Regionen auf der Welt gibt in denen täglich Menschen sterben weil offensichtlich Kriege um Erdöl und Erdgas für unseren Luxus ausgefochten werden.

Aus Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Afghanistan

Die bedeutendsten Bodenschätze sind neben Eisen- und Kupfererzen, Erdgas, Kohle und Halbedelsteinen (hauptsächlich Lapislazuli) auch Erdöl, von dem im Jahr 2006 im Norden des Landes Lagerstätten entdeckt wurden, die das 18-fache der ursprünglich geschätzten Menge enthalten. Bereits im Jahr 1991 ergab eine US-Studie, dass durch den Abbau von Bodenschätzen genügend Profit erzielt werden könnte, um damit den Wiederaufbau des Landes zu finanzieren.[76]

Aus Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Irak

2009 exportierte der Irak Waren im Wert von 39,3 Mrd. Dollar (davon 98,9 % Erdöl). Hauptabnehmer waren die USA, Indien und Südkorea. Die Importe beliefen sich auf 41,3 Mrd. Dollar und stammen meist aus Syrien, Jordanien, der Türkei und den USA. Haupeinfuhrgüter waren Maschinen, verschiedene verarbeitete Erzeugnisse, chemische Erzeugnisse und Lebensmittel.[33]

Ein Herr Köhler hatte dafür meiner Meinung fast schon die richtigen Worte, als er folgendes sagte (und ich möchte das Zitat nicht aus dem Zusammenhang reißen weswegen ich es mit seiner Fragestellung zitiere):

Ricke: In der politischen Debatte wird auch darüber nachgedacht, ob das Mandat, das die Bundeswehr in Afghanistan hat, ausreicht. Brauchen wir ein klares Bekenntnis zu dieser kriegerischen Auseinandersetzung und vielleicht auch einen neuen politischen Diskurs?

Köhler: Nein, wir brauchen einen politischen Diskurs in der Gesellschaft, wie es kommt, dass Respekt und Anerkennung zum Teil doch zu vermissen sind, obwohl die Soldaten so eine gute Arbeit machen. Wir brauchen den Diskurs weiter, wie wir sozusagen in Afghanistan das hinkriegen, dass auf der einen Seite riesige Aufgaben da sind des zivilen Aufbaus, gleichzeitig das Militär aber nicht alles selber machen kann, wie wir das vereinbaren mit der Erwartung der Bevölkerung auf einen raschen Abzug der Truppen. Und aus meiner Einschätzung ist es wirklich so: Wir kämpfen dort auch für unsere Sicherheit in Deutschland, wir kämpfen dort im Bündnis mit Alliierten auf der Basis eines Mandats der Vereinten Nationen. Alles das heißt, wir haben Verantwortung. Ich finde es in Ordnung, wenn in Deutschland darüber immer wieder auch skeptisch mit Fragezeichen diskutiert wird. Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen. Alles das soll diskutiert werden und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg.

Quelle und gesamtes Interview auf dradio.de: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/1188780/

Ich denke auch, man sollte mal darüber reden, ob das nun Wirtschaftskriege sind.

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